Von den Anfängen (1862 – 1907)

Der Anfang:
Wie vielen anderen Vereinen fällt es dem Musikverein Jestetten heute schwer, die Anfänge ihres Vereins, den erstmaligen Zusammenschluss Gleichgesinnter, den Tag oder auch das Jahr zu beweisen.

Als offizielles Gründungsjahr des Musikvereins Jestetten wurde das Jahr 1862 festgelegt, wobei Unterlagen, Protokolle oder dergleichen des Vereines nicht mehr vorhanden sind und sich der Verein rein auf  Überlieferungen stützt. Den Vorsitz hatte zu dieser Zeit Josef Gantert (1.Vorsitzender 1862-1869) inne.

Weiteren Überlieferungen des Hafners Benedikt Sigg zufolge gehen die Anfänge jedoch ins Jahr 1830 zurück. Es war damals nur ein loser Zusammenschluss Gleichgesinnter und wurde 1848 vom gleichen Schicksal ereilt als knapp einhundert Jahre später, als alles Vereinsleben verboten wurde.

Als die Revolutionsjahre überstanden waren haben sich auf Drängen des Bürgermeisters, Posthalters und Löwenwirtes Fischer wieder Männer zusammengefunden, um den Gedanken des Musikvereins neu zu beleben.

Offensichtlich war das Gründungsjahr 1862, zumindest in der Anfangszeit nicht vom Glück begünstigt. Der Chronist anlässlich des 100jährigen Bestehens berichtet 1962, dass nach anfänglicher guter Entwicklung der Verein schon bald in Schwierigkeiten vor allem finanzieller Art geriet. Um den Verein vor dem Zerfall zu bewahren, betrieben die Musiker den Anschluß an die Freiwillige Feuerwehr.


Die Feuerwehr-Musik:
Aus den Analen der Freiwilligen Feuerwehr geht hervor, dass der Musikverein in den Jahren 1870/71 mehrfach Gesuche an die Gemeinde richtete, mit dem Ziel einer Vereinigung mit der Wehr. Nach anfänglichen Bedenken seitens der Gemeinde, nahm sich der Gemeinderat Mitte 1871 diesem Vorhaben dann doch an. Immerhin war die Volksmusik zu einem wichtigen Bestandteil des dörflichen Lebens geworden zu sein; denn am 12. August 1871 erteilte der damalige Bürgermeister Ott der Feuerwehr positiven Bescheid.

Am 19. August 1871 kam dann jener Vertrag zustande, der den Musikverein auf viele Jahre als eigenständige Institution aus der Gemeindegeschichte verdrängte. „Feuerwehr-Musik“ sollten sich dann die 14 Musiker fortan nennen. In den folgenden Jahren etablierte sich diese Formation zusehends und aufgrund des starken Zulaufs wurde 1877 ein Vertrag zwischen der Feuerwehr und acht Nachwuchsmusikern erforderlich, um die Rechte und Pflichten zu fixieren.

In den Jahren danach gab es dann immer wieder Bestrebungen seitens der Musiker, ihre Eigenständigkeit zurück zu erlangen. Dies scheiterte aber stets an den sich angehäuften Schulden (1880 beliefen sie sich auf rund 400 Mark).

1882 wurde dann der Feuerwehrmusik eine größere Selbständigkeit zugebilligt.

1888 schien dann der Verein zumindest vorübergehend auch rechtlich seine Selbständigkeit wiedererlangt zu haben.

Zu dieser Zeit war der Verein unter dem Vorsitz von Dr. med. E. Schumacher und als Dirigent konnte Herrmann Gäng, Dietenberg, gewonnen werden.

Ein Glücksgriff wie es scheint, da die Anzahl der Musiker auf stolze 26 anstieg.

1897 konnten die Jestetter Musiker beim Musikfest in Horheim einen ersten Preis erringen. Hiervon zeugt noch heute ein Becher mit entsprechender Widmung.


Im folgenden Jahr (1898) wird von einem Ausflug nach Luzern und zum Rigi berichtet:

„Es soll äußerst vergnüglich gewesen sein, der Es-Klarinettist hat dabei sein Instrument verloren; es traf eine Woche später per Post wieder in Jestetten ein.“

1899 trat in der Vereinsführung ein Wechsel ein. Der Vorsitz ging auf Ottmar Danner über, Johann Windler übernahm dann die Stabführung.

Die relativ ereignislose Folgezeit deutet darauf hin, dass sich die Musiker mit ihrem Los, der Zugehörigkeit zur Feuerwehr zumindest vorläufig abgefunden haben.

 

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